Business-Tipps für Spanien

Schiffbruch Pinedo

Um bei Geschäftsverhandlungen in Spanien nicht aufzulaufen und mit Projekten im Land nicht Schiffbruch zu erleiden, ist es entscheidend die Gegebenheiten des Marktes und die Businessmentalität etwas zu kennen. Nachfolgend ein paar persönliche Ratschläge.

EINMAL IST KEINMAL

Vor ein, zwei Jahren kam ein Schweizer Unternehmen zu mir, der in Spanien einen Vertriebspartner gesucht und schliesslich einen zu einem längeren Meeting getroffen hatte. Er verstehe die Welt nicht, sei er doch für ein längeres Treffen extra nach Spanien geflogen und trotzdem würde sich der potentielle Partner nicht bei ihm melden.

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Schreibfehler bei deutschen Würstchen…

Um in Spanien wirklich ins Geschäft zu kommen, braucht mindestens drei Treffen! Das Erste um einen ersten persönlichen Kontakt herzustellen, sich ins Gesicht schauen zu können. Das Zweite um sich besser kennen zu lernen, wobei man bei diesem über Gott und die Welt spricht – und über Fussball natürlich. Erst beim dritten Treffen kann man über Geschäfte reden, ohne dass es nur leere Worte sind.

ES GILT DIE HOLSCHULD – IMMER

Mag die Geschäftsbeziehung schon seit Jahren gut laufen, so gelten auch dann in den meisten Fällen, was in Spanien selbstverständlich ist: Die Holschuld. Nach einem „seien Sie versichert, ich rufe Sie diese Woche noch an“ wird man in 99,9% aller Fälle vergebens auf den Rückruf warten. Es liegt also an jenem, der etwas möchte, den Kontakt wieder aufzunehmen und anzurufen. Und zwar immer und überall. Schliessen Sie daher ein Gespräch idealerweise damit ab, in dem Sie Ihr Gegenüber fragen, wann Sie diesem wieder anrufen sollen. In drei Tagen oder in einer Woche?

Tarjeta visita tachada

… wie auch auf Visitenkarten.

NACHNAMEN

Lassen Sie sich nicht verwirren! In Spanien werden offiziell immer beide Familiennamen verwendet, also den Familienname des Vaters (in meinem Fall: Izquierdo) sowie der ledige Familienname der Mutter, also Hänni. Ergibt Daniel Izquierdo Hänni. Achtung: Ehegatten behalten immer ihre beiden Familiennamen und nehmen jenen des Ehepartners nicht an.

SPANISCH IST NICHT GLEICH SPANISCH

Spricht man im Ausland von Spanisch, so meint man in der Regel das Kastilisch, das in ganz Spanien als Amtssprache gilt, jedoch nicht überall aber gesprochen und geschrieben wird. In der Tat zählt man in Spanien drei Landessprachen, die je nach Regionen noch vor dem Kastilisch verwendet wird. Bekanntestes Regionalidiom ist das Katalanisch, das in Barcelona und in den Nachbarsprovinzen gesprochen wird – bis hin zum Lanquedoc in 4751195Südfrankreich. Eine leichte Abänderung davon wird auf den Balearischen Inseln (Mallorqui) und in Valencia und der Costa Blanca (Valenciano) gesprochen. Ganz im Nordwesten gilt Galizisch, welches dem Portugiesisch nicht unähnlich ist, als zweite Landessprache. Keltischen Ursprungs ist das Baskisch – lokal „Euskera“ genannt – das etwa in Bilbao oder San Sebastian gesprochen wird. Diese Mehrsprachigkeit ist nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch etwa in der Politik oder in der Wirtschaft immer mehr verankert: Wer etwa in Barcelona Fuss fassen möchte, der muss seine Werbekampagnen zwingend auf Katalanisch realisieren. Und wer im Baskenland Geschäfte machen muss, sollte wissen, dass man anstatt San Sebastian den baskischen Namen der Stadt – Donostia – verwendet.

STEMPEL UND SIEGEL

SELLO_NUEVODas allererste, was man sich zulegen muss, wenn man in Spanien eine Niederlassung eröffnet, ist ein Firmenstempel, grün, blau, rot – alles ausser schwarz! Noch besser ist, wenn man noch gleich zwei weitere dazu erfindet: das Firmenlogo umringt von einem Lorbeerkranz, oder mit Freiräumen für Datum und Unterschrift. Hauptsache es sieht richtig amtlich aus. Nicht selten ist für spanische Behörden die Anzahl Stempel weit wichtiger als deren Authentizität.

 

Scheiben Rot Orange